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MPLS

MPLS (Multiprotocol Label Switching) leitet Pakete über feste Pfade, war lange Standard der Standortvernetzung und stößt heute an Grenzen.

Jahrelang lautete die Standardantwort auf die Frage nach zuverlässiger Standortvernetzung: MPLS. Carrier errichteten darauf private Weitverkehrsnetze mit vertraglich zugesicherten Eigenschaften, von der Bankfiliale bis zum Produktionswerk.

Inzwischen stellen viele IT-Verantwortliche ihre MPLS-Verträge auf den Prüfstand: Anwendungen sind in die Cloud abgewandert, der Bandbreitenbedarf steigt, und flexible Alternativen sind ausgereift. Wer über Weiterbetrieb oder Ablösung entscheidet, sollte wissen, was die Technik leistet und wo ihre Grenzen liegen. Oft lautet die passende Antwort nicht kompletter Abschied, sondern eine neue Rollenverteilung im Weitverkehrsnetz.

Was ist MPLS?

MPLS steht für Multiprotocol Label Switching, eine Weiterleitungstechnik in Carrier-Netzen. Statt jedes Paket an jedem Router erneut anhand der IP-Adresse zu bewerten, bekommt es am Netzeingang ein kurzes Label. Alle nachfolgenden Router entscheiden allein auf Basis dieses Labels über den weiteren Weg. Provider bauen darauf private Unternehmensnetze auf, meist als IP-VPN vermarktet: Die Standorte eines Kunden bilden ein gemeinsames privates Netz, logisch getrennt vom Verkehr anderer Kunden und vom offenen Internet. Eigenschaften wie Verfügbarkeit und Priorisierung sichert der Provider vertraglich zu. Diese Verlässlichkeit machte MPLS über zwei Jahrzehnte zum Rückgrat der klassischen Standortvernetzung, gerade für Anwendungen mit strengen Anforderungen an Laufzeit und Stabilität.

Funktionsweise

Stärken der Technik

Typische Szenarien

Die Grenzen werden sichtbar, sobald sich Anwendungen verlagern. Cloud- und SaaS-Verkehr nimmt in klassischen MPLS-Designs den Umweg über den zentralen Internetübergang im Rechenzentrum — das erzeugt Latenz und belastet die zentrale Anbindung. Neue Standorte oder Bandbreitenänderungen dauern häufig Wochen bis Monate, weil der Provider Leitungen bereitstellen und Konfigurationen anpassen muss. Zudem liegen die Kosten pro Megabit deutlich über denen gewöhnlicher Internetanschlüsse, was bei wachsendem Bandbreitenbedarf zunehmend ins Gewicht fällt.

MPLS und SD-WAN im Vergleich

SD-WAN wendet Prinzipien des Software-Defined Networking auf das Weitverkehrsnetz an und verlagert die Intelligenz vom Providernetz an den Netzrand des Unternehmens. Appliances an den Standorten messen laufend die Qualität aller verfügbaren Anbindungen — vom günstigen Internetanschluss bis zur dedizierten Leitung — und lenken jede Anwendung über den jeweils besten Weg. Der Verkehr zwischen Standorten wird durchgehend verschlüsselt, Cloud-Verkehr verlässt das Netz direkt am Standort. SD-WAN adressiert damit genau die Punkte, an denen MPLS an Grenzen stößt: Kosten, Bereitstellungszeit und Cloud-Anbindung. Eine Ablösung ist dennoch kein Entweder-oder: Viele Unternehmen betreiben hybride Netze, in denen kritische Standorte eine dedizierte Leitung als Underlay behalten und SD-WAN die Steuerung übernimmt.

Migration in der Praxis

Ein Umstieg gelingt selten in einem Schritt. Bewährt hat sich die Abfolge aus Bestandsaufnahme der Verträge und Anwendungsströme, einem Piloten mit wenigen Standorten im Parallelbetrieb und dem Rollout entlang auslaufender Kündigungsfristen. Wo garantierte Pfade weiterhin gebraucht werden, bleiben sie bewusst Teil des Designs. In der Praxis übernehmen spezialisierte Managed-Service-Provider Planung, Migration und Betrieb solcher hybriden Netze — etwa als gemanagtes SD-WAN.

Häufige Fragen

Ist MPLS verschlüsselt?

Nein. MPLS trennt Kundennetze logisch voneinander, verschlüsselt die Inhalte aber nicht. Die Vertraulichkeit beruht allein auf der Trennung im Providernetz. Wer Schutz auf Datenebene braucht, etwa für personenbezogene oder regulierte Daten, legt eine Verschlüsselungsschicht wie IPsec über das MPLS-Netz. Moderne SD-WAN-Lösungen verschlüsseln den Verkehr zwischen Standorten dagegen standardmäßig.

Gilt MPLS als veraltet?

Technisch ist MPLS ausgereift und leistet in vielen Netzen weiterhin gute Dienste, vor allem dort, wo garantierte Laufzeiten gefordert sind. Überholt ist eher das Architekturmuster, sämtlichen Verkehr über ein zentrales Rechenzentrum zu führen. Viele Unternehmen kombinieren deshalb bestehende Leitungen mit SD-WAN oder lösen sie schrittweise ab, sobald Verträge auslaufen.

Warum ist MPLS so teuer?

Die Bandbreite einer MPLS-Leitung kostet ein Vielfaches eines Internetanschlusses vergleichbarer Größe, weil der Provider Kapazität reserviert und vertragliche Zusagen absichert. Hinzu kommen lange Vertragslaufzeiten und Aufpreise für Änderungen. Ob sich das rechnet, hängt vom Anwendungsprofil ab; für viele Standorte genügt heute eine Kombination aus Internetanschlüssen mit SD-WAN-Steuerung.

Wie geht MPLS mit Cloud-Verkehr um?

Klassische Designs führen sämtlichen Verkehr zum zentralen Internetübergang im Rechenzentrum. Cloud-Dienste liegen jedoch außerhalb des privaten Netzes; es entsteht ein Umweg, der Latenz erhöht und die zentrale Anbindung belastet. Abhilfe schaffen lokale Internetausbrüche an den Standorten oder private Cloud-Pfade, wie moderne WAN-Architekturen sie vorsehen.

Wie gelingt die Ablösung von MPLS durch SD-WAN?

Schrittweise: zunächst eine Bestandsaufnahme der Verträge und Anwendungsströme, dann ein Pilot mit wenigen Standorten im Parallelbetrieb, anschließend der Rollout entlang auslaufender Kündigungsfristen. Kritische Standorte behalten bei Bedarf eine dedizierte Leitung als Underlay. Migration und Betrieb lassen sich an einen Managed-Service-Provider auslagern.