Chief Zero Trust Officer: Braucht Zero Trust einen eigenen Chefsessel?

von Sven Launspach · veröffentlicht 19.04.2026 · 2 min lesezeit · zt://zero-trust

Zero-Trust-Projekte scheitern selten am Prinzip. Sie scheitern an der Frage, wer sie eigentlich verantwortet. Viele Unternehmen haben längst Technologien eingeführt, Pilotprojekte gestartet und Strategiepapiere beschlossen, stecken aber mitten in der Umsetzung fest. Für dieses Problem gibt es einen bemerkenswert direkten Vorschlag, den ein Anbieter wie Cloudflare geprägt hat: eine eigene Führungsrolle, den Chief Zero Trust Officer, kurz CZTO.

Woher die Idee stammt

Die Rolle ist keine Marketing-Erfindung aus dem Nichts. Sie geht auf Gespräche zwischen dem Field-CTO-Team eines Anbieters und US-Bundesbehörden zurück. Die US-Regierung hatte ihre Behörden per Sicherheitsdirektive angewiesen, sich an Zero-Trust-Prinzipien auszurichten, und dafür eine konkrete Vorgabe gemacht: Innerhalb von 30 Tagen musste jede Behörde eine verantwortliche Person für die Umsetzung benennen. In Washington heißt so jemand traditionell „Czar“. Für Unternehmen passt die vertraute Chief-Nomenklatur besser.

Der Gedanke dahinter folgt einem alten Sprichwort, das der Beitrag zitiert: „Wenn jeder verantwortlich ist, ist niemand verantwortlich.“ Genau dieses Muster zeigt sich in vielen Zero-Trust-Programmen. IT, Netzwerk und Security arbeiten jeweils an ihrem Ausschnitt, ein Gesamtverantwortlicher fehlt, und die Initiative verliert nach dem ersten Schwung an Tempo.

Was die Rolle leisten soll

Der CZTO bekommt in diesem Modell ein einziges Ziel: Zero Trust im Unternehmen Wirklichkeit werden zu lassen. Dafür braucht die Person ein Mandat der Geschäftsführung und genug Gewicht, um zwei Sorten Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

Auf der technischen Seite stehen die üblichen Mühen: Anbieter-Architekturen verstehen, Nutzer und Geräte sauber inventarisieren, Gruppen, Anwendungen und Zugriffe erfassen. Ohne diese Bestandsaufnahme bleibt jede Zero-Trust-Richtlinie Theorie. Auf der organisatorischen Seite geht es um Silos zwischen IT-, Netzwerk- und Sicherheitsteams, um klare Kommunikationswege und um den Widerstand, der jede größere Umstellung begleitet. Ein Titel mit „Chief“ davor öffnet Türen, die einem Projektleiter verschlossen bleiben.

Die berechtigten Einwände

Noch eine C-Level-Rolle? Kann das nicht jemand aus der CISO-Organisation übernehmen? Der Beitrag nimmt diese Fragen ernst und gibt eine pragmatische Antwort: Die Bezeichnung sollte dem strategischen Gewicht entsprechen, das Zero Trust im jeweiligen Unternehmen hat. Ob die Person am Ende Chief Zero Trust Officer, Head of Zero Trust oder VP of Zero Trust heißt, ist zweitrangig. Der Titel muss Aufmerksamkeit erzeugen und die Befugnis transportieren, Bürokratie zu durchbrechen.

Der Beitrag räumt selbst ein, dass die Rolle vermutlich kein Dauerzustand ist. Neue C-Titel kommen und gehen, vom Chief Digital Transformation Officer bis zum Chief Data Scientist. Entscheidend ist nicht das Namensschild, sondern dass eine Person mit Rückendeckung von Vorstand und Geschäftsführung die Initiative treibt, solange es nötig ist.

Was davon bleibt

Drei Jahre nach dem Vorschlag hat sich der Titel nicht auf breiter Front durchgesetzt. Das eigentliche Argument hat sich trotzdem bestätigt: Zero-Trust-Programme brauchen eine benannte, bevollmächtigte Verantwortung, sonst versanden sie in der Implementierungsphase. Wie die Rolle heißt, entscheidet jedes Unternehmen selbst.

Für den Mittelstand, der keinen eigenen Chefsessel dafür schaffen will, gibt es einen zweiten Hebel: die Betriebslast verkleinern. Wer Zero-Trust-Zugriff als Managed SASE/SSE-Service bezieht und die Mikrosegmentierung von Spezialisten aufbauen und betreiben lässt, reduziert genau die technischen Hürden, für die der CZTO erfunden wurde. Die Verantwortung fürs Programm bleibt im Haus. Sie wird nur endlich tragbar.

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